Gerhard Seiler, CDU, Ehrenbürger der Stadt Karlsruhe seit 1998-07-21, Oberbürgermeister von Karlsruhe von 1986-07-01 bis 1998-09-30, Bürgermeister seit 1977, findet es vorteilhaft, dass durch Betrug erlangtes Geld in »seiner« Region gewaschen wird.
Baden-Airport: Ex-OB fühlt sich verunglimpft
Seiler wehrt sich: „Waren keine Trottel“
Karlsruhe/Rheinmünster (wom) – Der ehemalige Oberbürgermeister von Karlsruhe, Gerhard Seiler, möchte sich nicht als „Trottel“ beschimpfen lassen. Als solcher zumindest sieht er sich verunglimpft, seit die Wochenzeitung „Die Zeit“ Anfang März in Bezug auf den finanziell angeschlagenen Baden-Airport zu dem Schluss kam, die damals Verantwortlichen „stehen alle wie die Trottel da“. Nur der Rastatter OB Eckhard Walker habe vor dem Flowtex-Gesellschafter Manfred Schmider gewarnt.
Seiler, damals Vorsitzender der 1993 gegründeten Entwicklungsgesellschaft Söllingen (EGS), fragt angesichts des Verlustes von 3 000 Arbeitsplätzen durch den Abzug der kanadischen Streitkräfte: „Sollten Schafe dort weiden oder Arbeitsplätze und Infrastruktur neu entstehen?“ Das Gelände in Söllingen habe man für „nicht ganz sieben Mark“ pro Quadratmeter gekauft: „Waren wir da Trottel?“
Tatsächlich hatte die EGS und maßgeblich ihr Vorsitzender Seiler ab 1994 für die Übernahme des damaligen Betreiberkonsortiums mit den Firmen Bechthold, Oberle, Vollack und eben Flowtex verwandt. Selbst als Ende 1995 die Staatsanwaltschaft Karlsruhe gegen Schmider mit dem Vorwurf ermittelte, 1986 einen Raubüberfall auf sich selbst inszeniert zu haben, rückte Seiler nicht von dem in Ettlingen als zwielichtig bekannten Unternehmer ab.
Weil im Frühjahr der Einstieg des Betreiberkonsortiums geplant war, warb Seiler in der Region weiter für das Konsortium und Schmider. Motto: Das sei ein honoriger Mann, die Vorwürfe gegen ihn nicht bewiesen. Im Mai 1995 war die Sache ausgestanden: Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen Schmider ein, wies aber darauf hin, dass ein hinlänglich begründeter Anfangsverdacht weiter bestehe.
Mittlerweile bedroht der Flowtex-Skandal den Airport finanziell in seinem Bestand. Doch Ex-OB Seiler findet immer noch lobende Worte für Schmider und seinen Kompagnon Klaus Kleiser. Immerhin, so formuliert der Ruheständler, hätten Baden-Airpark und Airport ins Konversionsprojekt „nahezu 130 Millionen Mark“ investiert.
Lobende Worte für „Schmider & Co.“
„Schmider & Co.“ selbst hätten „einen hohen zweistelligen Millionenbetrag“ gegeben. Das, ist das frühere Stadtoberhaupt sich sicher, „hätte die öffentliche Hand nie aufbringen können“. Und jetzt könne diese Investitionen „der Region niemand mehr nehmen, auch nicht der Insolvenzverwalter!“
Diese Gelder aber stammen ausschließlich aus betrügerischen Geschäften. Offiziell haben Schmider und Kleiser 32,7 Millionen Mark vom Stammkapital von 40 Millionen Mark der Baden-Airpark AG einbezahlt. Wieviel sie in Söllingen genau investiert haben, ist aber unklar. Sicher ist jedoch, dass bei den Leasinggeschäften um fingierte Horizontal-Bohrmaschinen ein Gesamtschaden von rund drei Milliarden Mark angerichtet wurde.
Aus: Badisches Tagblatt, 2000-03-17
Langfristig funktionierender Alias: http://rainer.seitel.home.pages.de/gerhard_seiler.html
2000-03-29 Rainer Seitel